Bewegungsführung beim Pferd: Der Moment, in dem du merkst – ich habe die Kontrolle
- Anja Schwien
- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Kennst du das Gefühl, wenn dein Pferd plötzlich schneller wird – und du innerlich nur hoffst, dass es von alleine wieder langsamer wird?
Oder du möchtest anhalten, gibst Hilfen – und erst einige Meter später bleibt dein Pferd wirklich stehen?
Dieses Gefühl kennen viele Reiter.
Und ganz ehrlich?
Es fühlt sich nicht gut an.
Denn genau in solchen Momenten entsteht Unsicherheit. Nicht nur bei dir – sondern auch bei deinem Pferd.
Die gute Nachricht:
Das lässt sich verändern.
Warum Bewegungsführung so wichtig ist
Viele Reiter glauben, ihr Pferd sei einfach temperamentvoll, hektisch oder „nicht geländetauglich“.
Oft steckt aber etwas ganz anderes dahinter:
Es fehlt eine klare Bewegungsführung.
Bewegungsführung bedeutet:
Du bestimmst, wann dein Pferd losgeht, langsamer wird, anhält oder das Tempo verändert.
Nicht aus Kontrolle.
Sondern aus Klarheit.
Denn Pferde fühlen sich sicherer, wenn jemand Entscheidungen trifft.
Und genau das darfst du übernehmen.
Der Moment, in dem du merkst:
Ich habe die Kontrolle
Es gibt diesen einen Moment.
Du sitzt auf deinem Pferd.
Etwas passiert.
Vielleicht ein Fahrrad. Ein Auto. Ein Vogel im Gebüsch.
Dein Pferd spannt sich an.
Früher wäre jetzt vielleicht Hektik entstanden.
Heute atmest du aus.
Du gibst dein Signal, hast Routine mit dem Notfall-Stopp u.v.m.
Und dein Pferd reagiert.
Dieser Moment verändert alles.
Weil aus Hoffnung plötzlich Vertrauen wird.
Säule 3: Bewegungsführung –
Du bestimmst das Tempo
Das Ziel ist simpel:
Dein Pferd geht, trabt, galoppiert oder steht – weil du es vorgibst.
Nicht, weil es gerade entscheidet, dass schneller jetzt besser wäre.
Dabei geht es nicht darum, dein Pferd „langsam“ zu machen.
Es geht darum, dass ihr beide dieselbe Sprache sprecht.
Bewegungsführung beginnt am Boden
Viele versuchen Tempoprobleme erst beim Reiten zu lösen.
Dabei entsteht die Basis viel früher.
Nämlich am Boden.
Hier lernt dein Pferd:
Auf Signale achten lohnt sich.
Übung 1: Stopp & Go am Seil
Diese Übung klingt simpel.
Ist sie auch.
Und genau deshalb funktioniert sie.
Gehe an.
Halte an.
Gehe wieder los.
Wiederhole das häufig.
Ziel:
Dein Pferd soll lernen, dass kleine Veränderungen deiner Körpersprache wichtig sind.
Übung 2: Tempounterschiede trainieren
Viele Pferde kennen nur:
Vorwärts.
Oder schneller vorwärts.
Trainiere bewusst:
langsam
normales Tempo
zügiges Tempo
Dein Pferd soll lernen: Tempo kommt von dir.
Übung 3: Gangartenwechsel bewusst üben
Nutze:
Stimme
Körpersprache
deine Position
das Seil als Unterstützung
Stick, Gerten oder andere Hilfsmittel
Je klarer du kommunizierst, desto schneller versteht dein Pferd.
Bewegungsführung beim Reiten
Wenn die Übungen am Boden sicher funktionieren, überträgst du sie in den Sattel.
Hier passieren oft die größten Veränderungen.
Anreiten am lockeren Zügel
Dein Pferd soll eigenständig losgehen.
Nicht dauerhaft getrieben werden.
Stoppen ohne Ziehen
Viele Reiter ziehen.
Das Problem:
Ziehen erzeugt oft Gegendruck.
Besser:
Nutze bekannte Signale vom Boden und arbeite mit lateraler Biegung.
So entsteht Verständnis statt Widerstand.
Freies Vorwärts zulassen
Ein gutes Vorwärts ist nicht hektisch.
Ein gutes Vorwärts ist:
locker
rhythmisch
aufmerksam
ansprechbar
Warum Bewegungsführung im Gelände entscheidend ist
Stell dir vor:
Ihr kommt an eine Straßenkreuzung. Ein Auto nähert sich.
Dein Pferd wird schneller.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten.
Ohne Bewegungsführung:
Du ziehst am Zügel.
Wirst hektisch.
Dein Pferd wird noch unsicherer.
Mit Bewegungsführung:
Du gibst dein Signal.
Dein Pferd stoppt.
Ihr bleibt ruhig.
Genau deshalb ist Bewegungsführung keine nette Zusatzübung.
Sie ist Sicherheit.
Eine Geschichte aus meinem Training
Eine Kundin kam zu mir, weil ihr Wallach draußen immer schneller wurde.
Ihr Satz war:
„Ich sitze oben und fühle mich wie ein Passagier.“
Also haben wir nicht im Gelände angefangen.
Wir sind zurück zur Basis.
➡️ Stopp.
➡️ Losgehen.
➡️ Wieder stoppen.
Immer wieder.
➡️ Viele Wiederholungen.
➡️ Viele kleine Erfolge.
Nach wenigen Wochen passierte etwas Spannendes:
Lockerere Zügel.
Weniger Diskussionen.
Mehr Ruhe.
Nicht, weil das Pferd plötzlich anders war.
Sondern weil die Kommunikation klar geworden ist.
Die häufigsten Fehler bei der Bewegungsführung
Viele Probleme entstehen nicht durch das Pferd.
Sondern durch unklare Abläufe.
Typische Fehler:
dauerhaft am Zügel festhalten
zu spät reagieren
ständig unterschiedliche Signale geben
zu große Trainingsschritte machen
nur im Problem trainieren statt vorher
Kleine, klare Wiederholungen bringen fast immer mehr Erfolg.
Fazit: Sicherheit entsteht durch Klarheit
Wenn dein Pferd zuverlässig auf Tempowechsel reagiert, verändert sich vieles:
Du wirst ruhiger.
Dein Pferd wird ruhiger.
Und plötzlich wird Ausreiten wieder das, was es sein sollte:
✅ Freiheit.
✅ Vertrauen.
✅Gemeinsame Zeit.
Denn Sicherheit entsteht nicht durch Hoffnung. Sondern durch Training.
Häufige Frage: Kann dein Pferd jederzeit anhalten – ohne Ziehen?
Wenn du gerade innerlich zögerst:
Dann liegt hier wahrscheinlich dein nächster Trainingshebel.
Und genau dort darfst du anfangen.
➡️ Klein.
➡️ Klar.
➡️Konsequent.
Von Herzen,
Deine Anja🥰