Warum dein Pferd manchmal „explodiert“ – und was du dagegen tun kannst
- Anja Schwien

- 6. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Du führst dein Pferd ganz entspannt aus der Box.
Plötzlich fällt irgendwo eine Mistgabel um.
Dein Pferd springt zur Seite, reißt am Strick, dein Herz schlägt schneller – und für einen kurzen Moment hast du das Gefühl:
„Ich habe keine Kontrolle mehr.“
Kommt dir das bekannt vor?
Dann bist du nicht allein. Viele Reiter erleben genau solche Situationen. Und oft entsteht daraus Unsicherheit, Frust oder sogar Angst.
Die gute Nachricht:
Dieses Verhalten ist meistens kein Problem des Charakters – sondern ein Problem fehlender Vorbereitung.
Warum Pferde so reagieren
Pferde sind Fluchttiere.
Das bedeutet: Sie reagieren zuerst – und denken später.
In der Natur war genau das überlebenswichtig. Wer zu lange nachgedacht hat, wurde gefressen.
Deshalb ist ein Pferd, das erschrickt, nicht automatisch respektlos, dominant oder schwierig.
Oft fehlt ihm einfach nur eins:
Sicherheit im Umgang mit Reizen.
Und genau hier beginnt die erste Säule meiner SafetyHorseMethod.
Säule 1: Desensibilisierung – Ein cooles, denkendes Pferd entwickeln
Das Ziel ist nicht, dass dein Pferd alles „aushält“.
Das Ziel ist:
Dein Pferd lernt, trotz neuer, lauter oder hektischer Situationen ruhig zu bleiben und nachzudenken.
Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass nichts passiert.
Sicherheit entsteht dadurch, dass dein Pferd gelernt hat, mit Situationen umzugehen.
Wie funktioniert Desensibilisierung?
Wichtig ist:Nicht einfach Reize draufwerfen und hoffen, dass es irgendwann besser wird.
Sondern:
Kleine Schritte. Klare Struktur. Viele Wiederholungen.
Übungen am Boden
Steigbügel bewegen
Sattel vorsichtig klopfen
Mit Stick oder Seil arbeiten
Körperbereiche berühren und abklopfen
Annäherung und Rückzug nutzen
Dabei lernt dein Pferd:
„Das fühlt sich ungewohnt an – aber es passiert nichts Schlimmes.“
Übungen beim Reiten
Größere Bewegungen im Sattel
Mit den Beinen leicht klopfen
Bewegungen verändern
Kleine Überraschungsmomente einbauen
Das Ziel:
Dein Pferd bleibt ansprechbar – auch wenn etwas Unerwartetes passiert.
Der wichtigste Fehler: Zu schnell werden
Viele Reiter machen unbewusst einen Fehler:
Sie hören auf, sobald es einmal funktioniert.
Doch genau hier beginnt Lernen erst.
Denn:
Wiederholung schafft Sicherheit.
Nicht einmal.Nicht zweimal.Sondern so oft, bis dein Pferd entspannt bleibt.
Ein Beispiel aus meinem Training
Ich hatte einmal eine Stute im Training, die bei fast jedem Geräusch hochging.
Ihre Besitzerin hatte irgendwann Angst, sie überhaupt noch zu führen.
Wir haben extrem klein angefangen.
Erst Sattel klopfen.Dann Stick bewegen.Dann neue Gegenstände.
Immer ruhig.Immer klar.Immer mit Pausen.
Nach etwa drei Wochen stand die Stute entspannt da, während ich neben ihr mit einer Plastiktüte gearbeitet habe.
War das Magie?
Nein.
Es war Training mit System.
Was du heute mitnehmen kannst
Wenn dein Pferd erschrickt, bedeutet das nicht automatisch:
❌ Es vertraut dir nicht
❌ Es ist dominant
❌ Es ist schwierig
Oft bedeutet es einfach:
„Ich habe noch nicht gelernt, dass diese Situation sicher ist.“
Und genau daran kannst du arbeiten.
Schritt für Schritt.
Reiz für Reiz.
Wiederholung für Wiederholung.
Wie geht es weiter?
Desensibilisierung ist nur die erste Säule.
Im nächsten Artikel zeige ich dir die zweite Säule:
Wie dein Pferd lernt, auf feine Signale zu reagieren – statt auf groben Druck.
Bis dahin:
Bleib ruhig.Bleib klar.Und gib deinem Pferd die Chance, denken zu lernen. ❤️
Von Herzen,
Deine Anja 🤗



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