Wie ein 2-Euro-Ball das ganze Training durcheinanderbrachte
- Anja Schwien

- 7. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Und warum „Können“ nicht dasselbe ist wie „Verstehen“
Letzte Woche hatte ich eine Kundin bei mir, deren Pferd eigentlich alles konnte.
Und das meine ich wirklich so.
Schulter wegschicken? ✔️
Hinterhand verschieben? ✔️
Rückwärts gehen? ✔️
Vorwärts laufen? ✔️
Sauber gearbeitet, gut ausgebildet, klar ansprechbar. Ich war beeindruckt.
Dann habe ich einen ganz normalen Ball in die Halle geworfen. Ein günstiger Spielball – vielleicht 2 Euro wert.
Und plötzlich war alles weg.
Wenn das „perfekte“ Pferd die Nerven verliert
Das Pferd sprang zur Seite, raste durch die Halle, war völlig außer sich.
Kein Zuhören mehr. Keine Orientierung. Keine Verbindung.
Und die Besitzerin?
Stand hilflos daneben. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. All die Übungen, all das Gelernte – wie ausgelöscht.
Das war kein Einzelfall. Das sehe ich ständig.
Das Problem mit Trockenübungen
Solange alles ruhig, vorhersehbar und kontrolliert ist, funktioniert Training wunderbar.
Aber sobald etwas Unerwartetes passiert – ein flatternder Müllsack, ein Fahrradfahrer,
ein bellender Hund, oder eben… ein Ball – zeigt sich die Wahrheit.
👉 Dann trennt sich Können von Verstehen.
Mechanik ersetzt kein Vertrauen
Dieses Pferd konnte die Übungen. Aber es war nicht wirklich weich. Nicht mental bei seiner Besitzerin. Nicht in echter Nachgiebigkeit.
Es hat gelernt:
„Ich mache etwas, solange alles sicher ist.“
Aber nicht:
„Ich vertraue meinem Menschen, auch wenn es plötzlich stressig wird.“
Und genau das ist der Unterschied.
Echte Weichheit entsteht nicht im Leerlauf
Weichheit und Nachgiebigkeit bedeuten nicht:
brav sein
ruhig stehen
Übungen korrekt ausführen
Sondern:
auch unter Stress ansprechbar bleiben
sich mental wieder beim Menschen einfinden
Druck loslassen können
Orientierung suchen statt flüchten
Das ist mentales Training, nicht nur körperliches.
Der Ball als ehrlicher Test
Der Ball war kein „Problem“. Er war ein Spiegel.
Er hat gezeigt:
Wo hört die Verbindung auf?
Wann verlässt das Pferd seinen Menschen?
Wie stabil ist das Vertrauen wirklich?
Ich nenne das gerne den „Ball-Test“.
Und der funktioniert nicht nur mit Bällen:
Plastikflaschen
Regenschirme
Planen
flatternde Jacken
Alles, was das Pferd kurz aus der Komfortzone holt.
Der entscheidende Punkt:
Was macht der Mensch?
Der große Unterschied entsteht nicht beim Pferd. Er entsteht beim Menschen.
Wenn dein Pferd erschrickt und du:
erstarrst
panisch wirst
planlos irgendwas versuchst
dann ist die Verbindung weg.
Wenn du aber im Kopf hast:
„Okay. Jetzt beginne ich mit den Übungen, die mein Pferd kennt.“
Dann bleibst du handlungsfähig.
Und genau das üben wir.
Verstehen statt Funktionieren
Im Video zeige ich dir:
den Ball-Moment
die erste Reaktion des Pferdes
und wie wir Schritt für Schritt wieder Verbindung herstellen
Das Ziel ist nicht, dass dein Pferd „alles aushält“.Das Ziel ist, dass es bei dir bleibt.
Fazit: Der wahre Trainingsfortschritt zeigt sich im Chaos
Solange alles ruhig ist, kann fast jedes Pferd „funktionieren“. Aber echte Ausbildung zeigt sich dann,wenn etwas Ungeplantes passiert.
Dann entscheidet sich:
Können oder Verstehen
Kontrolle oder Verbindung
Technik oder Vertrauen
Und genau daran arbeiten wir.
Herzliche Grüße
Deine Anja 💛
P.S.:Der Ball-Test ist einfach – aber unglaublich ehrlich. Wenn du merkst, dass dein Pferd bei Überraschungen nicht mehr ansprechbar ist,dann fehlt ihm keine Übung –sondern echte mentale Nachgiebigkeit.
Und die kann man lernen.



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