Richtungsführung beim Pferd: Der Moment, in dem dein Pferd aufhört, selbst zu entscheiden
- Anja Schwien

- vor 8 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Was machst du, wenn dein Pferd plötzlich woanders hin will als du?
Es weicht vor einer Pfütze aus.
Zieht an einer Wegkreuzung plötzlich nach links.
Oder entscheidet mitten im Gelände:
„Da gehen wir jetzt lang.“
Viele Reiter kennen genau diese Momente.
Und oft fühlen sie sich nicht nach Sicherheit an.
Sondern eher nach:
Kontrollverlust.
Die gute Nachricht:
Das Problem ist meistens nicht Ungehorsam. Sondern fehlende Richtungsführung.
Was bedeutet Richtungsführung überhaupt?
Richtungsführung bedeutet:
Dein Pferd folgt deiner Linie – nicht seinem Instinkt.
Das heißt:
Du bestimmst die Richtung
Dein Pferd bleibt auf der gewählten Linie
Hindernisse führen nicht automatisch zum Ausweichen
Richtungswechsel funktionieren ruhig und präzise
Dein Pferd orientiert sich an dir
Dabei geht es nicht darum, dein Pferd zu dominieren.
Es geht darum, Orientierung zu geben.
Denn Pferde fühlen sich oft sicherer, wenn jemand Entscheidungen übernimmt.
Warum Richtungsführung im Gelände so wichtig ist
Stell dir vor:
Ihr seid im Gelände unterwegs.
Vor euch eine große Pfütze.
Dein Pferd entscheidet:
„Da gehe ich nicht durch.“
Ohne Richtungsführung passiert oft Folgendes:
➡️ Ausweichen.
➡️ Diskussion.
➡️Unsicherheit.
Vielleicht landet ihr am Straßenrand oder im Gebüsch.
Mit guter Richtungsführung passiert etwas anderes:
➡️ Du gibst eine klare Richtung vor.
➡️ Dein Pferd bleibt auf der Linie.
➡️ Nicht aus Zwang.
Sondern weil diese Entscheidung bereits hundertmal trainiert wurde.
Der Moment, in dem du merkst:
Jetzt hört mein Pferd mir wirklich zu
Viele Reiter beschreiben irgendwann denselben Moment:
Sie geben eine kleine Hilfe. Und plötzlich folgt das Pferd.
➡️ Nicht mit Widerstand.
➡️ Nicht mit Diskussion.
➡️ Einfach ruhig.
Dieser Moment verändert viel. Weil aus Unsicherheit Vertrauen wird.
Und aus Zufall echte Führung.
Richtungsführung beginnt am Boden
Viele versuchen Richtungsprobleme erst beim Reiten zu lösen.
Dabei entsteht die Grundlage viel früher.
Am Boden.
Hier lernt dein Pferd:
Menschen können Linien vorgeben.
Und es lohnt sich, zuzuhören.
Übung 1: Hinterhandkontrolle
Kann dein Pferd seine Hinterhand gezielt von dir wegbewegen?
Das ist wichtig.
Denn die Hinterhand steuert Kraft, Balance und Bewegungsrichtung.
Trainiere:
weichen auf leichte Signale
Hinterbeine kreuzen lassen
präzise stoppen
Je feiner das funktioniert, desto besser wird später das Lenken.
Übung 2: Vorhandkontrolle
Viele Pferde schieben über die Schulter weg.
Deshalb braucht dein Pferd Kontrolle über die Vorhand.
Übe:
Schulter weichen lassen
einzelne Schritte verschieben
kontrollierte Wendungen
So entsteht echte Lenkbarkeit.
Übung 3: Präzise Linien laufen
Laufe bewusst:
gerade Linien
Kreise
Bögen
Slalom
enge Wendungen
Nicht irgendwie. Sondern bewusst. Denn Präzision trainiert Aufmerksamkeit.
Richtungsführung beim Reiten
Wenn die Grundlagen sitzen, kommt die Übertragung in den Sattel.
Wichtige Bausteine:
Hinterhandkontrolle nutzen
Die Hinterhand beeinflusst Richtung und Balance.
Hier hilft oft der indirekte Zügel.
Schulter kontrollieren
Viele Richtungsprobleme entstehen vorne.
Darum ist Schulterkontrolle enorm wichtig.
Laterale Biegung einsetzen
Biegung schafft Kontrolle.
Und Kontrolle schafft Sicherheit.
Konkrete Übungen
Besonders hilfreich:
Point-to-Point
Folge dem Zaun
Kleeblatt-Übungen
gezielte Linienarbeit
Ein Beispiel aus meinem Training
Eine Kundin kam mit ihrer Stute zu mir.
Das Problem:
An jeder Wegkreuzung entschied die Stute selbst.
Ihre Besitzerin sagte:
„Ich fühle mich wie ein Beifahrer ohne Lenkrad.“
Also sind wir zurück zum Fundament.
➡️ Vorhand.
➡️ Hinterhand.
➡️ Linien.
➡️ Präzision.
➡️ Viele Wiederholungen.
Nach einigen Wochen passierte etwas Spannendes:
Die Stute wartete.Fragte nach. Blieb orientiert.
Nicht weil sie plötzlich „brav“ wurde.
Sondern weil Führung verständlich geworden war.
Die häufigsten Fehler bei der Richtungsführung
Viele Probleme entstehen durch:
unklare Linien
zu große Schritte
fehlende Schulterkontrolle
nur am Kopf lenken wollen
inkonsequente Hilfen
Ein Pferd kann nur folgen, wenn die Richtung klar ist.
Fazit: Sicherheit beginnt mit klaren Linien
Wenn dein Pferd zuverlässig deiner Richtung folgt:
Wirst du entspannter. Dein Pferd wird entspannter.
Und plötzlich fühlen sich Pfützen, Wegkreuzungen oder enge Situationen nicht mehr wie Risiken an. Sondern wie Training.
Denn echte Führung bedeutet nicht:
Mehr Druck.
Sondern:
Mehr Klarheit.
Kannst du dein Pferd punktgenau lenken – auch wenn’s brenzlig wird?
Wenn du gerade zögerst:
Dann liegt genau hier wahrscheinlich dein nächster Entwicklungsschritt.
Denn Richtung ist nicht nur Navigation.
Richtung ist Sicherheit.
Von Herzen,
Deine Anja🥰



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