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Warum „lieb sein“ manchmal gefährlich ist



Was ein Kind an der Ampel mit Pferdetraining zu tun hat

Letzte Woche habe ich einem Kunden erklärt, warum sein Pferd immer wieder durchgeht, sobald es brenzlig wird.

Nicht aus Bosheit. Nicht, weil es „schwierig“ ist. Sondern, weil ihm in entscheidenden Momenten eine klare Grenze fehlt.

Um es verständlich zu machen, habe ich ihm eine Geschichte erzählt.


Das Kind an der Ampel

Stell dir vor, du stehst mit einem fünfjährigen Kind an einer roten Ampel.

Du hast Zeit. Du erklärst ruhig :„Schau mal, die Ampel ist rot. Da fahren Autos. Wir schauen links – rechts – links.“

Alles entspannt. Alles pädagogisch wertvoll.


Jetzt eine andere Situation:

Das gleiche Kind reißt sich plötzlich los und rennt auf die Straße, während ein LKW angerast kommt.

Was machst du?

Erklärst du jetzt weiter ruhig die Verkehrsregeln? Nein‼️

Du greifst zu. Du ziehst das Kind zurück. Sofort. Ohne Diskussion.


Nicht, weil du gemein bist. Nicht, weil du die Beziehung zerstören willst.

Sondern, weil du Verantwortung trägst.


Genau hier liegt das Missverständnis im Pferdetraining

Viele Pferdebesitzer wollen „lieb“ sein. Sanft. Verständig. Nachgiebig.

Und das ist grundsätzlich richtig.

Aber:

Es gibt Momente, da ist ausschließliches „lieb sein“ gefährlich.

Wenn dein Pferd:


  • losschießt

  • sich losreißt

  • in Panik gerät

  • dich oder andere gefährdet


dann braucht es keine Diskussion. Dann braucht es eine klare, sofortige Grenze.

Ich nenne diese Grenze:


👉 die Schranke


Die Schranke – Klar, fair und lebenswichtig

Eine Schranke ist kein Strafen. Keine Gewalt. Kein „Durchsetzen um jeden Preis“.

Eine Schranke ist:


  • klare Körpersprache

  • eine eindeutige energetische Haltung

  • eine saubere Phase, die deinem Pferd sagt: „Stopp. Bis hierhin – und nicht weiter.“

Genau wie beim Kind an der Ampel.


Warum Pferde diese Klarheit brauchen

Pferde sind Fluchttiere. In Stresssituationen schaltet ihr Denkvermögen ab.

Wenn du dann:


  • zögerlich wirst

  • unsicher bist

  • „lieb bleiben willst“, obwohl Gefahr droht

übernimmst du keine Führung.


Und dein Pferd übernimmt – instinktiv.

Das ist der Moment, in dem Pferde „durchgehen“.

Nicht, weil sie dominant sind.Sondern, weil sie keine klare Grenze spüren.


Die Technik hinter der Schranke

Im Video zeige ich dir ganz konkret:


  • wie du mit deiner Körpersprache arbeitest

  • wie du die richtigen Phasen aufbaust

  • wie dein Pferd lernt, sofort zu stoppen


Ohne Gewalt. Ohne Druck eskalieren zu lassen. Aber mit absoluter Klarheit.


Diese Technik kann in der Praxis den entscheidenden Unterschied machen.

Zwischen:


  • Kontrolle und Kontrollverlust

  • Sicherheit und Gefahr

  • Vertrauen und Angst


Liebe braucht manchmal Klarheit

Ein Pferd, das in kritischen Momenten auf dich hört, ist kein unterdrücktes Pferd.

Es ist ein sicheres Pferd.

Und Sicherheit ist eine Form von Liebe.


Fazit

Sanft sein ist wichtig. Geduldig sein auch.

Aber Führung bedeutet:


  • zu wissen, wann erklären reicht

  • und wann Handeln nötig ist


Ein Pferd, das auf dich hört, wenn es darauf ankommt, ist ein Pferd, das dir vertraut.

Und genau das ist unser Ziel.


Herzliche Grüße


Deine Anja 💖


P.S.:Diese Schranke funktioniert bei jedem Pferd –vom sensiblen Warmblut bis zum stoischen Mustang.

Nicht die Härte entscheidet.Sondern die Klarheit deiner Kommunikation.

 
 
 

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